Jenseits von Masterplan und Nische

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In einem Beitrag für die Hallesche Störung bringt Anne es auf den Punkt, worum es beim Trotzdem geht:

Mit seinem Ausspruch: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“, scheint der Sozialwissenschaftler und Philosoph Theodor Adorno gesellschaftliche Gegenentwürfe zum Kapitalismus auszuschließen. Doch überlegt auch er in seinen Arbeiten, wie das Richtige aussehen kann. So ist hilfreich, seinen so oft zitierten Satz als wichtigen Moment der Reflexion zu verstehen. Ein erfülltes Leben, was auch die ökologische Lebensgrundlage achtet, ist erst erreicht, wenn es für alle Menschen Realität geworden ist. Dieser Zustand ist ein utopischer und so hilft es das Falsche, als Moment der Reflexion anzuerkennen und alternative Ansätze weiter zu verändern um am richtigen Leben zu arbeiten, denn gesellschaftliche Zustände sind nicht statisch und abgeschlossen. Das gute Leben wird weder mithilfe eines Masterplans erreicht noch reicht es, sich in kleinen Nischenprojekten und Lebenszusammenhängen einzurichten. Doch sind auch die Nischenprojekte ein ermächtigender Raum, in dem Individuen die Erfahrung machen, Teilbereiche des Lebens jenseits von Konkurrenz und Wettbewerb gestalten zu können. Gleichzeitig wirken sie nach außen, machen Mut, Spaß und eröffnen neue Erfahrungsräume.
Vor diesem philosophischen Hintergrund arbeiten Menschen aus unterschiedliche Initiativen wie die Genossenschaft Halle im Wandel, die Foodcoop Radieschen, die entstehende solidarische Landwirtschaft, das IT-Projekt Neuland, die Hochschulgruppe Plurale Ökonomik u.v.m. an einer Aktionswoche vom 13. bis 22. Oktober. Unter dem Titel Trotzdem! Begegnung solidarischer Ökonomien in Halle wird bereits ein buntes Programm aus Vorträgen, Workshops, Ausflügen, Open Spaces, öffentlichen Interventionen, Feiern, Theater, Musik gebastelt. Ziel ist es, alternative Formen des Lebens und Wirtschaftens aufzuzeigen, sich zu vernetzen und die Ansätze weiter zu denken. Die unterschiedlichen Formate geben die Möglichkeit, sich der Frage nach dem guten Leben für alle auf vielfältige Art und Weise zu nähern. Ob kreativ, mit den Händen werkelnd oder denkend sollen für viele Menschen Anknüpfungspunkte geschaffen werden, die Lust machen, Bereiche des eigenen Lebens solidarisch mit anderen emanzipatorisch und schwungvoll zu gestalten.

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